Geschrieben von:Apple Languages
Datum:November 7, 2014
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Kölner Karneval!

Sie möchten einen wichtigen Teil deutscher Kultur kennenlernen und das deutsche Volk erleben wie niemals zuvor? Dann sollten Sie auf keinen Fall den Kölner Karneval verpassen!

Die Traditionen rund um dieses 5000 Jahre alte Fest sind ebenso vielfältig wie die Orte, an denen es weltweit gefeiert wird und selbst innerhalb Deutschlands stößt man auf die verschiedensten Bräuche. In keiner Region ist das Fest jedoch so in der Lokalkultur verankert wie in der deutschen Karnevals-Hauptstadt Köln – jeder, dier hier schon einmal die Karnevalswoche verbracht hat, wird bestätigen, dass es ein absolut einzigartiges Erlebnis ist!

Zugegeben – als ich vor drei Jahren zum Studium nach Köln zog, stand ich dem Karneval noch ziemlich skeptisch gegenüber und hielt es für eine dörfliche Tradition mit dem Vorwand, sich einmal im Jahr hemmungslos zu betrinken – so war es nämlich in meiner norddeutschen Heimat. Kaum war ich zwei Wochen in der Stadt, musste ich jedoch feststellen, dass der Kölner Karneval in einer anderen Liga spielt – denn er stellt nicht nur einmal jährlich eine gesamte Großstadt auf den Kopf, sondern zieht zu diesem Spektakel auch unfassbare 1,5 Millionen Besucher an.

Offiziell beginnt der Karneval am 11. November um 11.11 Uhr mit einer riesigen Straßenparty (natürlich verkleidet!). Obwohl dieser Tag die sogenannte 5. Jahreszeit einläutet, bleibt es in den darauffolgenden Wochen zunächst ruhig (bis auf die internen Feiern der immerhin 480 Karnevalsvereine der Stadt) und der wahre Irrsinn beginnt erst an der sogenannten Weiberfastnacht im Februar, dem für viele schönsten Arbeitstag des Jahres.

Die gesamte Stadt geht an diesem Donnerstag verkleidet zur Arbeit um dann abermals um 11.11 Uhr mit viel Trara die Büros zu verlassen und entweder in der Firma selbst oder einer nahegelegenen Kneipe die ausschweifendste Betriebsfeier zu starten, die man sich vorstellen kann. Ob Friseurladen, Versicherungsunternehmen oder sogar staatliche Institution – es wird gemeinsam mit den Kollegen gefeiert bis nichts mehr geht – dank der Massen an Bier ist das meist schon am frühen Nachmittag. Dazu gibt es Berliner, Mettbrötchen, Würstchen, Frikadellen, Erbsensuppe und natürlich: Kölsch. Dieses lokale Bier ist so süffig, dass man davon literweise trinken kann (oder zumindest glaubt es zu können) und hält das Feiervolk den ganzen Tag über beschäftigt, weil es in winzig kleinen Gläsern serviert wird, über die man außerhalb Kölns (und besonders in München) nur der Kopf schüttelt.

Dieser legendäre Donnerstag ist der erste von 5 Tagen, an denen die gesamte Stadt Kopf steht – bis zum kommenden Dienstag wird gefeiert, getrunken und getanzt – rund um die Uhr und überall. Aufgrund der unfassbaren Menschenmassen wird während dieser Tage absolut jedes Restaurant und jedes Café in eine Kneipe umfunktioniert und aus allen Ecken hört man die typische Karnevalsmusik – Lieder im kölschen Dialekt, die zwar kaum jemand wirklich versteht, aber trotzdem jeder mitgrölen kann und deren Texte sich meistens um die Liebe zu Köln und die Großartigkeit dieser Stadt drehen.

Der offizielle Höhepunkt der Karnevalswoche findet am darauffolgenden Rosenmontag statt – ähnlich wie in anderen deutschen Städten gibt es einen riesigen und farbenfrohen Umzug einmal quer durch die Innenstadt, in Köln ist dieser jedoch mehr als überdimensional: im letzten Jahr waren an dem über 8-stündigen Umzug insgesamt 12.000 Personen, etwa 300 Wagen und mehr als 500 Pferde beteiligt. Mit Tanz- und Musikgruppen, fantastischen Kostümen und aufwendigen Skulpturen kommt das ganze einer riesigen Unterhaltungsveranstaltung gleich – und ganz nebenbei werfen die Zugteilnehmer insgesamt 300.000 Kilogramm Süßigkeiten (alles von kleinen Bonbons bis hin zu riesigen Schokoladentafeln) und 300.000 Blumensträuße (Strüßche) ins Publikum. Wer sich also nicht zu schade ist, den ganzen Tag in der Kälte zu stehen und sich drängelnd gegen die Menschenmassen durchzusetzen, kann durchaus mit einer reichen Beute nach Hause gehen.

Verkleidete Leute in der ganzen Stadt, Straßenpartys zu jeder Uhrzeit und tanzende Massen in der U-Bahn – Kölner Karneval bedeutet eine Großstadt im Ausnahmezustand und lässt sich kaum in Worte fassen. Ob man diesen exzessiven Zustand genießt oder von dem Chaos genervt ist – die einzigartige Atmosphäre während dieser Tage muss man einfach erlebt haben! Der Karneval als fester und wichtigster Teil der lokalen Kultur macht Köln unweigerlich zu einer außergewöhnlich freundlichen und offenen Stadt und schafft ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl, das für Deutschland eher ungewöhnlich ist. Jedoch sind es genau dieser Stolz der Kölner und die Liebe zu ihrer Stadt und ‚ihrem’ Fest, die diesen Ort für mich so sympathisch und lebenswert machen!

Rebecka