Geschrieben von:Students Stories
Datum:August 17, 2017
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Englischkurs in Liverpool – Donnerstag

Nach dem großartigen Tag am Mittwoch war der Unterricht am Donnerstag auch äußerst interessant! Eine wirklich typische Englischstunde! Zu Beginn wurde uns von Hemingways „Sechs Wörter“-Wette erzählt. Ob sie nun stimmt oder nicht, besagt die Geschichte, dass der amerikanische Schriftsteller eine Wette gewann, weil er eine Geschichte mit nur sechs Wörtern schreiben konnte: „For sale: baby shoes, never worn“ (Zum Verkauf: Babyschuhe, noch nie getragen).

Nachdem wir über diese kurze Geschichte gesprochen hatten, haben wir einen Essay über ein journalistisches Projekt gelesen, das Menschen dazu aufgefordert hat, eine eigene Geschichte mit nur sechs Wörtern zu schreiben. Die Ergebnisse waren faszinierend. Menschen können einen immer wieder überraschen!

In unserem Lehrbuch gab es viel Material über Sechs-Wörter-Geschichten. Es hat Spaß gemacht, in einer Gruppe darüber zu diskutieren, auch dank des interaktiven Whiteboards. Wir haben also Video, Audio, Essay, eine Schreibaufgabe, eine Hörverstehensübung und natürlich das Sprechen abgedeckt… ein sehr effektiver Morgen!

Lesen in Liverpool!

Da viele der Sechs-Wörter-Geschichten von irgendeiner Form des Bedauerns handelten, konnten wir uns auch noch einmal die Verwendung des Konditionals und des Konjunktivs ansehen. Da es ein journalistisches Projekt  war, hatten wir die Möglichkeit, über das Lesen, Bücher und das zu sprechen, das wir am liebsten lasen. Wir redeten über alle Dinge, die man lesen kann oder solche, die man täglich liest, ohne es überhaupt zu merken!

Nach unserem Unterricht am Morgen traf ich ein paar interessante Jungs im Gemeinschaftsraum. Sie waren gekommen, um Informationen über die kostenlosen Englischstunden zu erhalten, die die Schule in regelmäßigen Abständen für in Liverpool lebende Ausländer anbietet. Wir haben viel geplaudert und haben dann sogar beschlossen, im schönen Rokoko-Café einen Kaffee trinken zu gehen. Erinnern Sie sich an dieses Café von der Nachmittagsaktivität am Dienstag?

Für die Schüler, die nur den Unterricht am Morgen besuchen, ist der Nachmittag lang. Es ist schön, am Morgen so produktiv gewesen zu sein, am Nachmittag dann aber Zeit zu haben, um die Stadt zu erkunden. Nach einem Kaffee habe ich einen schönen Spaziergang ins Stadtzentrum genossen. Ich konnte Orte entdecken, die ich am ersten Tag vielleicht verpasst hatte. Einer davon war das großartige Liverpool ONE – Einkaufszentrum!

Tate Liverpool

Ich kam erneut zum Albert Dock und voller Begeisterung besuchte ich die Liverpool Tate Gallery. Man kann die eigenen Ausstellungen der Galerie sehen, aber auch ausgeliehene Stücke von der berühmten Tate Gallery in London. Es war großartig! Ich habe jeden einzelnen Teil der Ausstellung genossen. Das Beste war, dass ich einige der berühmtesten Werke der Welt gratis bewundern konnte, und das in einem Museum, das nicht zu überfüllt war. Ich sah die “Venus of the rags” von Michelangelo Pistoletto, Werke von zeitgenössischen Künstlern, Warhols Selbstporträt, einen Picasso, einen Mondrian und vieles mehr!

Im Raum mit den eigenen Ausstellungen der Tate gab es eine Ausstellung über die Bilder von William Blake, einem herausragenden englischen Dichter, der außerdem ein großartiger Künstler, Kupferstecher und Grafiker war.

All das wird deutlich, wenn man sich seine Reliefradierungen, Bücher, Gemälde, Pamphlete und Gedichte, oder einfach nur die sagenhaften Illustrationen zu seinen Gedichten anschaut.

Zwischen all diesen Quellen der Inspiration befanden sich außerdem einige von William Blakes atemberaubenden Zeichnungen für Dantes inspirierende Göttliche Komödie. Das von Dante im Jahr 1320 fertiggestellte Werk deckt sowohl Inferno (Hölle), als auch Purgatorio (Fegefeuer) und Paradiso (Paradies) ab. Blake wurde dann später in seinem Leben dazu auserkoren, seine modernen künstlerischen Fähigkeiten zu nutzen, um dieses literarische Meisterwerk für die moderne englischsprachige Welt wiederzuentdecken.

Dantes Göttliche Komödie war perfekt auf Blakes typische immer wiederkehrenden Motive abgestimmt. Blake war ein Meister darin, in seiner Kunst das Unheimliche und das Grandiose in Einklang zu bringen. Seine Darstellung von Dantes Werk, die zunächst gar nicht veröffentlicht wurde, etablierte Blake als einen der großartigsten kreativen Schöpfer der Geschichte!

Es war auf jeden Fall ein Privileg, William Blakes Inferno-Bilder zu sehen. Bilder, an denen er bis zu den allerletzten Tagen seines Lebens gearbeitet hatte. Wirklich wundervoll!

Zentralbibliothek von Liverpool

Nach dem Museumsbesuch, kam ich wieder durch das Stadtzentrum und überquerte den majestätischen St. George’s Platz, bis ich schließlich die Zentralbibliothek von Liverpool erreichte. Hier halten sich Studenten und Schüler – ob englisch oder ausländisch – zum Lernen oder Hausaufgaben machen auf. Ich konnte schnell verstehen warum! Die Bibliothek ist fantastisch. Sie hat einen beeindruckenden Eingang, fünf Stockwerke und ist geprägt von einer modernen Bauweise. Der Eindruck ist fast nicht von dieser Welt. Wie ein modernes Museum ist das Gebäude transparent und sehr hell. Die Lernbereiche sind modern und gemütlich und sind mit den besten Computern ausgestattet. Sie befinden sich zwischen den Bücherregalen, welche alle perfekt gepflegt sind.

Trotz allem ist dieser Bereich nicht sehr voll, da die meisten Lernenden sich lieber im älteren Bereich aufhalten. Als ich dorthin gegangen bin, spürte ich schnell eine deutliche Trennung dieses Bereiches von den anderen.  Ein hölzerner Raum wie aus einer alten Welt mit uralten Stühlen, Tischen sowie alten Teppichen und Wandteppichen. Es gibt dort Millionen von alten Büchern, geschützt in wundervollen Regalen. Ein riesiger Atlas, der in einer Kiste liegt, ragt heraus und zeigt in diesem großartigen Raum seine wunderschönen Illustrationen und Farben. Der Text darauf ist immer noch einwandfrei lesbar.

Die letzte Überraschung war der Lernbereich dieses alten Teils der Bibliothek. Ein heller kreisrunder Raum mit einem großen Globus in der Mitte! Er ist umgeben von einem ringförmigen Mezzanin voll mit alten Büchern, die für jedermann verfügbar sind. Es fühlt sich so an, als sei man in einem anderen Zeitalter, vielleicht sogar in einer anderen Dimension! Man hat das Gefühl, es sei wirklich eine andere Welt, hat aber gleichzeitig den kleinen Luxus der modernen Zeit. Luxus, der für das Lernen wichtig ist, wie zum Beispiel Steckdosen für Laptop, Tablet oder Handy an jedem Schreibtisch. Es ist wirklich ein erstaunlicher Ort!

Intensiver Kochwettbewerb

Nachdem ich wieder zu Hause war, bemerkte ich, dass es langsam auf das Wochenende zuging. Die Leute fingen an, sich auf die Partys am Wochenende vorzubereiten. Wir organisierten einen kleinen Kochwettbewerb. Italien gegen Spanien, Pasta gegen Tortillas. Und wir hatten wirklich eine gute Zeit zusammen.

Zufrieden mit dem, was ich erlebt hatte, ging ich schlafen. Ich habe das Leben wirklich in vollen Zügen genossen. Ich war voller Freude, aber spürte auch ein klein wenig Melancholie, da ich wusste, dass der nächste Tag mein letzter an der Schule und in der Unterkunft sein würde. Wenn ich gekonnt hätte, wäre ich gerne noch viel länger geblieben!

Lesen Sie meinen letzten Beitrag über meine Zeit in Liverpool hier: Mein letzter Tag

Fiammetta